Oft fahre ich über Land, auf der Suche nach Landschaften zum Fotografieren. Es ist eine entspannende Beschäftigung mit sehr ungefähren Zielen, die mich unerwartete Winkel und Ausblicke Siziliens entdecken lässt. Bei diesen regelmäßigen Streifzügen kommt es auch vor, dass ich ein schönes Bild „ernte“: Es wartet dort auf mich. Ein blühendes Feld unter einem tiefblauen Himmel, Wolken am Horizont, ein Bauer unter einem Baum, das langsame Auf und Ab der Hügel oder die Symmetrie der Weinberge. Zum Glück lebe ich in einer Region, in der das Licht stark ist und alles durchflutet. In diesem Monat ist das beste, schönste Licht das des späten Nachmittags, ab 17 Uhr. Das Juni-Licht ist fantastisch, vor allem für Fotografie-Liebhaber. Dank der Videofunktionen der neuen Kameras drehe ich nicht selten auch kleine Filme. Natürlich ist das eine ganz andere Welt als die Fotografie: Ein Foto ist ein Augenblick, ein Video ist „ein Fluss“, eine Folge von Augenblicken. Man muss die Kamera ruhig halten, sonst wackelt alles, und nicht immer habe ich ein Stativ oder Einbeinstativ zur Hand. Sagen wir so: Fotografieren ist mein Beruf, Filmen mein Vergnügen – erwarten Sie also keinen Oscar-Film 😉 Aber genug abgeschweift. Ich traf einen Hirten mit seiner Herde und blieb stehen, um mit ihm über Milch und Ricotta zu plaudern. „Wie wird der wohl gemacht?“, fragte ich mich. Wir sind es gewohnt, Ricotta in sterilen Kühltheken zu sehen, und vergessen dabei, dass … irgendjemand diesen Ricotta ja gemacht haben muss. Jemand hat sich die Hände mit Milch schmutzig gemacht und seine ganze Erfahrung und sein Können hineingesteckt, oder? Das Gespräch mit dem Hirten brachte mich zu einer Käserei in der Gegend, von der ich wusste und die nur nach 20 Minuten Autofahrt zu erreichen war. Manchmal merke ich, dass ich ziemlich dreist bin, und trotzdem gewinne ich nach anfänglichem Misstrauen die Sympathie von Menschen, die in ihre Arbeit vertieft sind. Ich glaube, Handwerker mögen es, wenn sich jemand für ihre Arbeit interessiert – und zeigen sich auch gern ein wenig. Außerdem kam ich genau im richtigen Moment, denn die Milch war gerade bereit, die Molke aufzunehmen und sich zu verwandeln in duftenden Ricotta. Ich habe ein paar Aufnahmen extra für Sie gemacht, liebe Freunde. Und natürlich bin ich mit einer köstlichen Beute nach Hause gefahren 😉 Vergessen wir nicht, die regionale Produktion zu schätzen.
Herzliche Grüße

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